36. Im Pinaratal

 

Art:      Talwanderung zu einem Wasserfall

              Alter:    ab 5 Jahre

              Zeit:     2 x 2½ Stunden

              Steigung: 400 m bis auf 937 m

 

 

Allgemeines

 

Die meisten Touristen denken bei einer Wanderung auf Korsika zuerst an eine Bergbesteigung mit dem Höhepunkt einer schönen Aussicht. Aber vor allem, wenn man kleinere Kinder bei sich hat, sollte man die schönen Talwanderungen an die erste Stelle setzen. Man wandert an einem Bach entlang oder über dem Bach auf halber Höhe am Hang. Der Anstieg ist nur mäßig; oft führt der Weg im Schatten eines Waldes, und der Blick auf das Tal ist manchmal bezaubernd. Der Weg durch das Tal ist meist besser als der auf einen Berg, da er kein Trampelpfad ist, sondern ein angelegter und oft mit Felsbrocken abgestützter alter Maultierpfad, weil sich am Ende des Tales gewöhnlich eine inzwischen aufgegebene, verfallene Bergerie (=Alm) befindet.

Doch das Schönste an den meisten Talwanderungen sind die Bademöglichkeiten in den Wasserbecken des Baches, oft nur klein zur Erfrischung in dem recht kühlen Wasser, oft aber auch groß und tief genug zum Schwimmen, mit kleinen Wasserfällen, die ältere Kinder manchmal als Rutsche benutzen können. Und da kein ferner Berggipfel zur Eile drängt, kann man öfter geruhsame Pausen zum Baden einlegen, die besonders willkommen sind, weil es im Tal wegen der geringen Höhe und oft ohne erfrischenden Wind heißer ist als auf einem Berg.

Als Ziel für Talwanderungen bietet sich oft eine verlassene Bergerie an, die am Ende des ansonsten engen Tales meist in einem weiten Talbecken liegt. Die Bergerie als Ziel bedeutet immer, daß man dort besonders leicht an den Bach kommen kann, wo man rasten und baden kann, und wo die Kinder im oft bewaldeten Talbecken ungefährdet spielen können. Fast immer liegen diese Täler ganz abseits vom Touristenstrom, daß man dort völlig einsam wandert.

Das Pinaratal bei Asco hat darüber hinaus noch eine besondere Attraktion: Der Beginn der Wanderung führt auf einer alten, gewölbten Genueserbrücke über den Fluß Stranciacone im Ascotal, in dem man ganz herrlich baden kann. Diese alten Brücken sollte man auf der Landkarte suchen und nicht daran vorbeifahren. Die Brücken wurden dort errichtet, wo Felsen einen festen Untergrund bilden und beiderseits des Flusses eng zusammenstehen. Zwischen den Felsen sind fast immer große und tiefe Wasserbecken, die schönes Schwimmen ermöglichen.

Die Genueserbrücke bei Asco ist außerdem landschaftlich sehr reizvoll gelegen, und da man sie von Asco aus auf einer schmalen Straße in 5 min mit dem Auto erreichen kann, sollte man nach einer Fahrt durch das Stranciaconetal nicht versäumen, bei Asco diesen kleinen Badeabstecher zu machen, am besten als Erholung nach einer Wandertour. Man ist an dieser Badestelle meist nicht allein; aber das Becken mit den Maßen einer Badeanstalt bietet so viel Platz, daß man sich gegenseitig kaum stört. Am Anfang des Beckens ist das Wasser flach, so daß auch kleine Kinder, evtl. mit Schwimmflügeln gesichert, dort baden und auf den großen, runden Steinen im Fluß umherklettern können.

Das Ziel der Wanderung im Pinaratal ist diesmal keine Bergerie, sondern ein kleiner, versteckt liegender Wasserfall von ca. 6 m Höhe mit einem Wasserbecken davor und einer kleinen Grotte direkt daneben, wo man sich im Wasser abkühlen kann und an der Grotte einen romantischen Rastplatz findet, der von dem rauschenden Wasserfall schön kühl gehalten wird. Dieser Platz liegt kurz hinter einer verlassenen Bergerie in einem Talbecken, das mit Bäumen, Büschen und oft schwer zu durchdringendem Kraut bestanden ist. Das Tal ist ungefährlich, aber kurz vor dem Ziel recht unübersichtlich, daß man sich dort leicht verlaufen kann.

Der alte Maultierpfad ist gut zu bewandern, führt aber die meiste Zeit nicht im Tal, sondern in halber Höhe am Hang entlang, so daß man ein Bad im Bach nur zu Beginn und gegen Ende der Wanderung nehmen kann, wenn man einen unbequemen Abstieg ins Tal vermeiden will. Das Tal hat nur in der Nähe des Baches einen schmalen Baumbestand, daß man bei der Wanderung am Hang meist der heißen Sonne ausgesetzt bleibt; zum Ausruhen jedoch findet man immer einen schönen Schattenplatz. Die große Höhe über dem Tal hat aber auch den Vorteil, daß man beim Wandern immer einen interessanten Blick in die bewaldete Schlucht und über das Tal bis zum Dorf Asco in weiter Ferne hat. Der Weg ist auch für kleine Kinder ungefährlich, wenn er nicht verlassen wird. Beim Passieren der engsten Talstelle über einer Schlucht sollten Eltern kleine Kinder etwas bei der Hand nehmen.

 

Tourenbeschreibung

 

Auf der Hauptstraße Bastia/Ajaccio fährt man bis Ponte Leccia und biegt dort zunächst in Richtung Calvi ein, verläßt diese Straße jedoch nach 2 km nach links in Richtung Asco. Nach weiteren 5 km muß man noch einmal aufpassen, daß man nicht in Richtung Norden in die dortigen Bergdörfer fährt, sondern nach links in Richtung Asco abbiegt. Kurz danach fährt man durch die steile und enge Schlucht "Gorges de'l Asco" und erreicht wenig später das einsame, am Hang gelegene Dorf Asco.

Wir durchfahren Asco oder umfahren es auf einer neu angelegten Umgehungsstraße und biegen am südwestlichen Ortsausgang nach links auf eine Straße ein, die nach unten zum Fluß Stranciacone führt. Die Straße ist kaum 1 km lang und ist asphaltiert, aber sehr schmal und steil und hat zwei Spitzkehren mit tiefen Schlaglöchern, daß ein größeres Auto dort nur mit Zurücksetzen um die Kurve kommt. Daher ist diese Straße für Wohnwagengespanne und große Wohnmobile nur schwer befahrbar.

Die Straße endet am Fluß vor einer alten Genueserbrücke auf einer kleinen Fläche, auf der etwa 6 bis 8 Autos Platz haben. Es ist empfehlenswert, den Wagen dort gleich für die Rückfahrt zu wenden, bevor dies durch zu viele parkende Autos schwierig wird, und evtl. die Räder des Wagens auf dem abschüssigen Platz durch Steine vorm Abrollen zu sichern.

Wir beginnen die Wanderung mit dem Überqueren des Stranciacone auf der alten Genueserbrücke und schlagen hinter der Brücke den Weg nach rechts ein. Dieser Weg ist neuerdings durch ein Gitter versperrt, wohl um weidende Tiere im Tal zu halten. Das Tal ist aber unbewohnt und kein Privateigentum, so daß wir das Gitter umklettern dürfen. Ca. 50 m weiter sollte man nicht versäumen, ein paar m vom Weg zur Schlucht hin auf die Felsen zu klettern, da man von dort einen eindrucksvollen Blick auf die Brücke und den Fluß von oben hat.

Nach wenigen hundert m schwenkt der Weg in das Seitental des Pinarabaches ein, steigt allmählich den Hang hoch und bleibt vorerst hoch über dem sich immer mehr verengenden Bacheinschnitt auf halber Hanghöhe der linken Talseite (in Aufstiegsrichtung). Es gibt nur diesen einen Weg, der immer deutlich zu sehen ist; Verzweigungen führen nach wenigen m wieder zusammen.

Nach dem Übersteigen einer Klamm nach ca. 2 Stunden Weg öffnet sich das Tal zu einem breiten Talbecken; der Weg führt zum Bachbett hinab, überquert dieses zur rechten Talseite und  folgt der Öffnung des Haupttales im großen Bogen nach rechts. Hier verliert sich jedoch der bis dahin eindeutige Weg in mehrere Trampelpfade, von denen sich viele im Gestrüpp auflösen. Man darf sich bei der Suche nach dem richtigen Pfad nicht zu dicht am Bach halten, wo man sich im Gestrüpp festläuft. Weiter rechts oberhalb der Bachniederung findet man auf bewaldeten Terrassen die Überreste einer Bergerie, wo man leicht hindurchkommt, und von wo aus der Pfad flußaufwärts wieder deutlicher wird. Man kann diese bewaldeten Terrassen schon vor der Bachüberquerung als dichte Baumgruppe rechts oberhalb des Baches vor der Biegung des Tales nach rechts erkennen. Wenn man auf diese Baumgruppe zuhält, braucht man sich von querlaufenden Pfaden nicht in die Irre führen zu lassen.

Kurz hinter der Bergerie überquert der Pfad wieder den Bach zur linken Seite, und nun müssen wir aufpassen, daß wir nicht an dem Wasserfall vorbeilaufen, der ca. 100 m weiter an einem Felsen versteckt liegt. Wenn wir uns nach der Bachüberquerung sofort wieder nach rechts zum Bach wenden, können wir das idyllische Fleckchen nicht übersehen. Wir überqueren den Bach auf den Steinen direkt unterhalb der Kaskade zu einem überhängenden Felsen, der am Wasserbecken eine kleine Grotte bildet, wo man im kühlen Schatten rasten kann. Das romantische Gelände in der Umgebung bietet viele Möglichkeiten zum Umherklettern und Erforschen für die größeren Kinder.